Stoffwechselerkrankungen und Erkrankungen des Hormonsystems

1. Adrenerge Krise

-> Hypertone Krise infolge eines Überschusses an Adrenalin und Noradrenalin, z.B. durch einen Tumor des Nebennierenmarks (Phäochromocytom)

Symptome:
– Angst, psychomot. Unruhe
– Schwindel
– Schweissausbrüche, „Ohrensausen“
– „Herzklopfen“
– Kopfschmerzen, Sehstörungen
– Retrosternale Schmerzen, AP-Beschwerden bis zum Präinfarkt
– Ggf. Linksherzinsuffizienz, Lungenödem
– Bewusstseinsstörungen

Massnahmen:
– Lagerung: Oberkörper erhöht, Beine tief
– O2 hochdosiert
– Psych. Betreuung
– Ven. Zugang, Ringer Infusion
– Ggf. Bayotensin akut (od. Nifedipin) zur Vasodilatation
– NA: Urapidil (Ebrantil) zur RR-Senkung

2. Diabetes mellitus

-> Insulinmangel im Körper
(Insulin fördert die Glucoseeinschleusung im Körper), Folge: Zunehmender Blutglucosespiegel. Unterscheide:
– juveniler Diabetes
– adulter Diabetes
– Typ I: insulinpflichtig
– Typ II: nicht insulinpflichtig

Der normale Blutglucosespiegel liegt zwischen 60 und 120 mg/dl bzw. 3,3 und 6,6 mmol/l.

2.1. Hyperglycämie

-> BZ > 6,6 mmol/l
Folge: Coma diabeticum
Die Hyperglycämie beuht stets auf einem absoluten oder relativen Insulinmangel. Die häufigsten Ursachen sind:
– Manifestation eines Diabetes mellitus zum Typ I
– Unzureichende od. unterbrochene Insulintherapie bei insulinpflichtigen Diabetikern
– Exzessive Diätfehler
– Durch Begeliterkrankungen hervorgerufene Insulinresistenzen, z.B. nach Infektionen, Trama, Operationen, Myocardinfarkt, cerebr. Insult etc.

Symptome:
– Bewusstseinsstörung bis zum Coma Diabeticum
– Dehydratation, Exicose
– Volumenmangel (Hypotonie, Tachycardie)
– Oligulie, Polyurie
– Tiefe, hochfrequente Atmung (Kussmaul) bei Ketoacidose
– Hypothermie
– Abgeschwächte bis aufgehobene Muskeleigenreflexe
– Manchmal Symptome e. akuten Abdomens (Pseudoperitonitis diabetica)

Massnahmen:
– Lagerung: nach Bewusstseinslage und Kreislaufsituation
– Sauerstoffgabe
– Ven. Zugang, zügige NaCl- oder Ringer-Infusion (ggf. mehrere Zugänge)
– Wärmeerhalt
– Rehydrierung: NaCl 0,9 % oder Ringer 1000 ml pro h; ggf. mehr bei Schockzeichen à dann auch 200 ml Haes 6 %
– KEINE Pufferung mit Natrium-Bicarbonat, KEIN Insulin in der Präklinik

2.2. Hypoglycämie

-> BZ < 3,3 mmol/l Kritisch bei Werten unter 45 mg/dl è cerebrales Energiedfizit, Gefahr bleibender Schäden Symptome: - Heisshunger - Schweiss, Zittern, Blässe - Sprach-, Hör-, Mimik- und Denkstörungen, Konzentrationsstörungen - Müdigkeit - Apathie, z.T. Aggressivität - Krampfanfälle - Bewusstseinsstörungen - Tachycardie Massnahmen: - Lagerung: Kreislauf- und Bewusstseinsabhängig - Sauerstoffgabe - Ven. Zugang, Ringer-Infusion (ggf. Glucose 5 % Infusion) - Glucose 40 % 25 – 50 ml i.v. - Wärmeerhalt

3. Schilddrüsenfunktionsstörungen

Glandula Thyroidea: Normal ca 25 g, dicht unterhalb des Schildknorpels, Hufeisenförmig mit 2 Seitenlappen. Dazwischen: Isthmus (Schilddrüsen-Engstelle, verbindet die beiden Schilddrüsen-Lappen)

3.1. Hyperthyreose

-> Struma; führt zu:
– Trachea: Säbelscheidentrachea / Tracheomalazie à Dyspnoe
– Einflusstauung an den Halsvenen
– Ösophageale Schluckbeschwerden
– N.vagus: Störungen des N.recurrens à Heiserkeit
– Sympathicus: Horner-Syndrom (nur Kopfbereich betroffen)
Eine massive Hyperthyreose kann führen zur „Thyreotoxischen Krise“

Symptome:
– erhöhter Grundumsatz à Wärmeprod. erhöht, Körpertemp. erhöht, Schwitzen
– Abnahme Körpergewicht
– Hyperventilation
– Osteoporose
– Herz-Kreislauf-System: b1-Stimulation à Tachycardie, Rythmusstörungen bis zum Vorhofflimmern
– ZNS und PNS sind erregbarer à Zittern, Schlafstörungen

Massnahmen:
– Lagerung: Kreislauf- und Bewusstseinsabhängig
– Sauerstoffgabe
– Ven. Zugang, Ringer-Infusion; bei Schockzeichen: 2x i.v., Haes
– Ggf. Kühlung
– NA: Sedierung, ggf. Narkose; ggf. b-Blocker

3.2. Hypothyreose

-> kann führen zum Hypothyreotischen Koma
Symptome:
– Grundumsatz erniedrigt, kalte, trockene Haut, Frieren
– Hypoventilation
– Körpergewicht-Zunahme
– Hypoglycämie
– Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Gedächtnisstörungen
– Bewusstseinsstörungen bis zum Coma
– Bradycardie

Massnahmen:
– Lagerung: Kreislauf- und Bewusstseinsabhängig
– Sauerstoffgabe; ggf. Intubation und Beatmung à Hyperventilation
– Ven. Zugang, Ringer-Infusion; bei Schockzeichen: Volumenersatz, Haes; ggf. Glucose
– Wärmen (1 oC pro Stunde)
– Ggf. externer Pacer
– NA: Atropin 1 mg oder mehr (nach Bedarf); Glucokortikoide (z.B. Urbason / Solu-Decortin H); bei Pericarderguss ggf. Pericardpunktion