Ablauf der Ausbildung zum Rettungssanitäter

1. Einleitung

Die folgenden Hinweise sollen dem angehenden RS helfen, seine Ausbildung möglichst erfolgreich zu gestalten. Erfolgreich nicht nur in dem Sinne, dass auf dem Prüfungszeugnis nachher möglichst gute Noten stehen, sondern vor allem in dem Sinne, dass er oder sie nachher möglichst qualifiziert im Rettungsdienst mitarbeiten kann. Die Orientierung ist dabei das Wohl des Patienten und die eigene Arbeitszufriedenheit, nicht die reine Erfüllung der Ausbildungsanforderungen, die eher als Mindestanforderungen betrachtet werden sollten.
Die Ausbildung gliedert sich in folgende Teile:
– 160 Stunden theoretische und praktische Ausbildung (Grundlehrgang, zugleich Rettungshelfer-Lehrgang)
– 160 Stunden klinische Ausbildung im Krankenhauspraktikum, davon i.d.R. 80 Stunden Anaesthesie, 40 Stunden Intensivstation und 40 Stunden Notaufnahme
– 160 Stunden Rettungswachenpraktikum, davon max. 25 Prozent KTW
– 40 Stunden Abschluss- und Prüfungslehrgang

Hierzu gibt es einige ganz sinnvolle Variationen. So bieten einige Schulen für Teilnehmer ohne Vorkenntnisse Grundlehrgänge von 200 Stunden (fünf Wochen) an. Ist das nicht der Fall, so empfiehlt es sich, vorher einen Sanitätshelferlehrgang zu absolvieren. Auch die Abschlusslehrgänge werden oft um zwei Tage (ein Wochenende) verlängert, um besser auf Teilnehmer mit unterschiedlichen Eingangsvoraussetzungen eingehen zu können.

2. Vor dem Grundlehrgang

Wichtig ist, nicht unvorbereitet auf den Grundlehrgang zu kommen. Es ist empfehlenswert, vorher auf jeden Fall nicht nur den vorgeschriebenen Erste-Hilfe-Kurs, sondern auch einen Sanitätshelfer-Kurs zu absolvieren. Es ist dabei nicht schlimm, wenn man den Abschluss nicht bekommt, weil man an einigen Terminen nicht kann oder weil der Erste-Hilfe-Kurs zu alt war. Wichtig ist, die Inhalte mitzubekommen. Als nächstes sollte man sich einfach mal darüber informieren, welcher Stoffumfang denn so von einem RS erwartet wird. Ausserdem sollte man schon einige praktischen Erfahrungen sammeln, nicht nur auf dem KTW als dritter, sondern auch auf dem RTW. Beim RTW wäre es gut, wenn man die Leute, die da fahren, schon kennt, um eine gute Betreuung zu bekommen. Dabei ist Gelegenheit, sich mal richtig einen RTW zeigen zu lassen und einige Handfertigkeiten in der Praxis zu erlernen. Ausserdem kann man sich dabei direkt auf die im RD üblichen Geräte nach MedGV einweisen lassen, sonst darf man nämlich – strenggenommen – im Grundlehrgang gar nicht damit üben. Wichtig ist diese erste Praxis vor allem dazu, die praktische Prüfung am Ende des Grundlehrganges problemlos zu bestehen. Das kann man schlecht nur anhand der Fallbeispiele im Grundlehrgang erlernen.

3. Der Grundlehrgang

Meistens wird es nicht möglich sein, die Ausbildungsstätte frei zu wählen. Wenn doch, dann sollte man mal bei anderen RS herumfragen, welche sie denn so empfehlen. Keine Hemmungen vor anderen Organisationen. Sobald man dort angemeldet ist, sollte man mit anderen Absolventen der betreffenden Schule sprechen: Welche Literatur, was ist besonders zu beachten usw. Nach der Literatur kann man sich auch an der Schule selbst erkundigen. Wichtig ist, so etwas vorher zu besorgen, weil manche Bücher vom Buchhandel bestellt werden müssen oder ohnehin über die eigene Organisation günstiger zu beziehen sind. Auf vielen Grundlehrgängen erwartet einen eine ziemliche Papierflut. Ein Ordner, ein Locher und viel Papier zum Schreiben sind sinnvoll mitzunehmen. Für die praktische Abschlussprüfung empfiehlt es sich Dienstkleidung oder andere Kleidung, die verschmutzt werden kann, mitzunehmen. Eine dicke Jacke ist allerdings überfluessig, da die meisten Prüflinge ziemlich ans Schwitzen kommen. Sinnvoll können auch die eigene (vernünftige) Schere oder das Lieblings-Klebeband sein.

3.1 Die erste Woche

Das wichtigste in der ersten Woche ist es, einen vernünftigen Partner für die Prüfung zu finden. Das entscheidende Kriterium ist dabei die Motivation, aber auch der Wissenstand und die Erfahrung des Partners. Wichtig ist hier, auch während des Lehrgangs die Fallbeispiele und die HLW- Prüfung immer mit dem Prüfungspartner zu machen, um eine gute Teamarbeit zu erreichen. Man sollte sich natürlich auch persoenlich verstehen. Was auch in der ersten Woche zu beachten ist: Lernen! Viele Lehrgangsteilnehmer denken sich „ich hab ja noch drei Wochen“ und gehen den Lehrgang erst mal locker an. Das macht unnötigen Stress in der letzten Woche – muss ja nicht sein.

3.2 Während des Grundlehrgangs

Immer, wenn Fallbeispiele angeboten werden, daran teilnehmen: Je mehr, desto besser! Keine Angst vor Blamagen, besser man blamiert sich vor den Lehrgangsteilnehmern als vor der Prüfungskommission oder gar später in der Praxis. Immer nachfragen, aber nicht vom Thema abgleiten. Es gibt Ausbilder, die sich gerne in irgendwelche tiefgehenden biochemischen Diskussionen einlassen, das Problem haben aber am Ende die Teilnehmer, wenn die Ausbilder mit dem Stoff nicht durchkommen.

3.3 Die theoretische Prüfung

Zur Vorbereitung für die Multiple-Choice-Fragen existieren mittlerweile mehrere Bücher, die empfehenswert sind:
– „Die Rettungssanitaeter-Prüfung“
– „Fragensammlung für den Rettungsdienst“
– „LPN, Lehrbuch für präklinische Notfallmedizin, in 5 Bdn., Band 5, Prüfungsfragen und Antworten“
(nähere Informationen im Literaturverzeichnis unten
). Achtung: In manchen der Bücher ist immer nur eine Antwort richtig – das ist in den meisten Prüfungen nicht so.
Während der Prüfung: Zügig arbeiten, nicht an einzelnen Fragen festbeissen, ausgelassene Fragen markieren und noch mal durcharbeiten. Multiple-Choice- Fragen grundsätzlich nicht offen lassen. Fragestellungen sorgfältig durchlesen. Hier wird oft mit Verneinungen getrickst. Ist eine Fragestellung missverständlich, nachfragen! Aber bitte so, dass der Prüfer auch antworten kann, ohne die Antwort zu verraten. Im Zweifelfall Fragen kommentieren, bringt aber nur etwas, wenn die Prüfung nicht per extra Antwortbogen und Schablone ausgewertet wird.

3.4 Die praktische Prüfung

Mit dem Partner muss die Aufgabenverteilung vorher genau abgesprochen werden. Einer betreut den Patienten durchgehend, nie den Patienten allein lassen. Wichtig: Koffer gut vorbereiten, fertige Pflasterstreifen griffbereit anbringen mit einem umgeknickten Ende, so dass man sie auch mit Handschuhen gut greifen kann (in der Praxis klappt’s auch so, in der Prüfung nicht!). Wichtig ist vor allem, den Kofferinhalt exakt zu kennen und darauf zu achten, dass alles vorhanden ist. Ein Hinweis, der übrigens nicht nur für die Prüfung gilt. Während der Prüfung zügig, aber nicht hektisch arbeiten. Alle Handlungen so deutlich ausführen, dass Missverständnisse ausgeschlossen werden.

4. Das Krankenhaus-Praktikum

Die Auswahl des Krankenhauses ist recht schwierig. Dabei sollte man andere nach ihren Erfahrungen fragen. Oft sind kleinere Kliniken günstig, allerdings ist es dort in der Notaufnahme zu ruhig. Unikliniken sind manchmal extrem ungünstig, da dort viele PJ (Praktisches Jahr während des Medizinstudiums) und AiP (Arzt im Praktikum) auch lernen wollen.
Um einen Praktikumsplatz zu bekommen, wendet man sich in der Regel telefonisch an die Pflegedienstleitung des betreffenden Krankenhauses. Mit dieser wird dann vereinbart, in welchem Zeitraum der Praktikant auf welcher Station eingesetzt wird. Die Aufteilung zwei Wochen Anaesthesie, eine Woche Notaufnahme, eine Woche Intensiv ist sinnvoll und davon sollte auch nicht ohne wichtigen Grund abgewichen werden, selbst wenn es die betreffende Ausbildungsstätte erlaubt. Ist das Praktikum vereinbart, so sollte man einige Tage vorher auf jeden Fall vorbeigehen und sich in der betreffenden Station und, falls noch nicht geschehen, bei der Pflegedienstleitung, vorstellen, das macht immer einen guten Eindruck. Dabei kann man dann auch Themen wie Kleidung etc. klären (wer stellt diese, was wird erwartet). Wichtig ist es, im Krankenhaus klar zu machen, dass man etwas lernen will. Schliesslich arbeitet man dort umsonst und da ist es schon sinnvoll, wenn man auf Intensiv statt den vierten Patienten zu waschen mal bei der Visite mitgeht und sich über die Erkrankungen informiert.
Grundsätzlich viel fragen, die meisten sind ganz dankbar, wenn sie mal zeigen dürfen, was sie alles wissen. Merke: Nicht alles, was im Krankenhaus gemacht wird, ist gut und richtig. Das gilt z. B. für die Betreuung der Patienten und den Bereich Hygiene. Vieles hat sich seit Jahren so eingeschliffen. Aber bitte nicht versuchen, als Praktikant den Krankenhausbetrieb umzukrempeln. Auch bei der Anaesthesie sollte man darauf achten, nicht irgendwo abgeschoben zu werden. Wer z. B. immer mit in den HNO-OP genommen wird wo Kindern wie am Fliessband die Polypen entfernt werden, der lernt nicht viel. Die Intubation und das Legen von Zugängen sind bei Kindern viel schwieriger und da wird meistens kein Praktikant rangelassen. Es ist zwar interessant, bei einer vierstündigen Hüftgelenks-Operation zuzusehen, aber der Haupt-Lerneffekt liegt bei der Einleitung der Narkose. Den Anästhesisten im OP kann man ruhig fragen, ob man nicht zur nächsten Einleitung gehen kann. Auch bei den Anästhesisten sollte man darauf achten, mit wem man meist zusammen ist. Ganz junge AiP’ler (und -innen), die selbst noch lernen müssen, lassen Praktikanten recht wenig machen.

5. Das RD-Praktikum

Hier ist es ebenfalls wichtig, möglichst viel Praxis mitzubekommen, es darf aber ruhig der Sprung ins kalte Wasser sein – in einer anderen, grösseren Stadt zum Beispiel. Landrettung ist als Praktikum ungeeignet – zu wenige Einsätze. Es ist zulässig, einen Teil des Praktikums auf dem KTW zu machen – das sollte man aber auf keinen Fall! Dort lernt man nicht. Eine gute Kombination wären 80 Stunden Grossstadt-RTW und 80 Stunden NEF/NAW mit einem kooperativen, guten Notarzt. Das wird sich allerdings in den seltensten Fällen verwirklichen lassen. Wichtig ist auch hier wieder, wirklich voll mitzuarbeiten. Im Prinzip hat der angehende RS zu diesem Zeitpunkt ja schon alles gelernt, also kann er auch alles machen! Optimal ist es, wenn sich einer der normalen Besatzung im Hintergrund hält. Wichtig: Der Praktikant ist nicht nur Zuschauer und Träger! Auch hier gilt wieder: Fragen, fragen, fragen, vor allem auch auf Einsatznachbesprechungen bestehen. Wichtig ist es auch, den RTW wirklich gut zu kennen (was ist wo), weil sonst sehr schnell der Eindruck auftaucht, der Praktikant stehe bloss im Weg herum. Grundsätzlich sollte man sich auf auf der Fahrt zum Krankenhaus nicht aus dem Patientenraum verbannen lassen. Vor dem Rettungswachenpraktikum ist ein Besuch der Rettungswache sinnvoll. Dabei sollte sich der Praktikant auch nach den eingesetzten medizinisch- technischen Geräten erkundigen und darauf einweisen lassen bzw. einen Termin für die Einweisung vereinbaren. Ausserdem sollte der Praktikant darauf bestehen, dass ein Verantwortlicher für sein Praktikum benannt wird, an den er sich auch bei Problemen während des Praktikums jederzeit wenden kann. Zum RTW-Praktikum gehört es auch, Fahren und Funken sowie die anderen Beifahrertätigkeiten, das „Copiloting“ (Horn ein- und ausschalten, Strasse suchen, Hausnummer mit dem Suchscheinwerfer suchen). Dies sollte man auch vor dem Praktikum ganz klar absprechen. Schliesslich muss man das nach der RS-Prüfung ja können. Oft ist es dazu notwendig, bei der betreffenden Organisation einen speziellen „Fuehrerschein“ zu machen, der dazu berechtigt, Fahrzeuge der Organisation zu fahren. Manchmal ist auch die Alarmfahrberechtigung noch ein zusätzlicher Schein.
Zum Rettungswachenpraktikum gehört auf jeden Fall auch ein Besuch in der Leitstelle des Rettungsdienstes.

6. Der Abschlusslehrgang

Den Abschlusslehrgang sollte man möglichst dort besuchen, wo man auch beim Grundlehrgang war, da die Ausbildungsinhalte doch ziemlich variieren. Für den Abschlusslehrgang benötigt man folgende Unterlagen:
– Prüfungszeugnis des Grundlehrgangs
– Nachweis über das Krankenhauspraktikum. (Manchmal wird ein Berichtsheft in einer bestimmten Form erwartet, einige Ausbildungsstätten erwarten sogar ein Zeugnis mit der Bescheinigung, dass das Ausbildungsziel erreicht sei und der Auszubildende für die Tätigkeit als Rettungssanitäter geeignet sei.)
– Nachweis über das Rettungswachenpraktikum (Hier wird ein Berichtsheft und eine Bewertung erwartet)
– Polizeiliches Führungszeugnis
– Ärztliches Untersuchungsergebnis

Der Abschlusslehrgang sollte möglichst nah am Grundlehrgang liegen, d. h. innerhalb von 12 Monaten. Trotzdem wird man erstaunt sein, wieviel man wieder vergessen hat. Auf dem Abschlusslehrgang ist keine Zeit mehr zum Lernen, dort können höchstens noch einige kleinere Lücken geschlossen werden. Unbedingt vorher die gesamte Theorie wiederholen. Die Abende während der einen Woche sind ausschliesslich dazu da, um das nachzulernen, was man übersehen hat oder was im Grundlehrgang nicht vorkam – und das ist meistens genug. Liegt das RTW-Praktikum schon etwas zurück, so sollte man noch zwei, drei Mal unmittelbar vor dem Praktikum auf dem RTW mitfahren, um auch in die Praxis wieder hinein zu kommen. Ausserdem sollte man sich noch einmal mit der HLW-Puppe beschäftigen, der Grundlehrgang liegt meistens ja schon sehr lange zurück und dei Puppe ist doch etwas anders als die im RTW- Praktikum erfahrene Realität. Ansonsten gilt für den Abschlusslehrgang, was auch für den Grundlehrgang gilt: Partnersuche, Prüfungsstrategie usw. Bei der mündlichen Prüfung gilt vor allem: Ruhig bleiben. Lieber mal eine Denkpause im Redefluss einlegen als irgendetwas Falsches daherzureden. Man sollte darauf achten, möglichst viel, was aber auch wirklich zum Thema gehört, von sich aus zu erzählen, damit man sich nicht durch Nachfragen aus dem Konzept bringen lassen muss.

Ersteller: G.Gabriel@LINK-K.gun.de „Hinweise zur RS-Ausbildung“
Überarbeitet von sanitaeter.net

Literaturhilfen:

1. Rettungsassistent und Rettungssanitäter * B. Gorgaß, F.W. Ahnefeld, R. Rossi, H.-D. Lippert
Gebundene Ausgabe – 868 Seiten – 6., überarb. u. erw. Aufl. 2001 – Springer-Verlag Berlin Heidelberg

2. Die Rettungssanitäter-Prüfung * B. Gorgaß, F.W. Ahnefeld, R. Rossi
Broschiert – 571 Seiten – 4., völlig überarb. u. erg. Aufl. 1998 – Springer-Verlag Berlin Heidelberg

3. Fragensammlung für den Rettungsdienst * Markus Schmid, Madlen Schmid
Sondereinband – Hofmann-Druck, Augsbg.

4. LPN – Lehrbuch für präklinische Notfallmedizin. Band 5: Prüfungsfragen und Antworten * B. Domres, K. Enke, R. Lipp
Taschenbuch – 2., überarb. Aufl. – Stumpf/Kossendey, Edew.